Cover-Exklusiv | Lehrerin nach falschen Aussagen im Unterricht entlassen — Iris-Chang-Studio: Vergiß die Geschichte nicht, denn das Vergessen ist ein zweites »Massaker«

Das Iris-Chang-Studio antwortet auf die Falschaussagen einer Lehrerin: Die Geschichte zu vergessen ist ein zweites »Massaker«.
Cover-Exklusiv | Lehrerin nach falschen Aussagen im Unterricht entlassen — Iris-Chang-Studio: Vergiß die Geschichte nicht, denn das Vergessen ist ein zweites »Massaker«

Cover News, Reporter Xun Chao und Wu Deyu

In jüngster Zeit hat eine Lehrerin namens Song, am Eastern Film Institute des Shanghai Zhendan Vocational College, im Unterricht öffentlich falsche Aussagen über das Massaker von Nanking vorgetragen und damit ihre Studierenden in die Irre geführt. Der Vorfall hat im ganzen Lande Aufmerksamkeit erregt. Am Abend des 16. Dezember hat das Shanghai Zhendan Vocational College eine »Bekanntmachung zur Sachlage« herausgegeben und die Lehrerin Song aus dem Dienst entlassen.


Die Bekanntmachung lautet: »Nach Untersuchung durch unsere Hochschule wurde festgestellt, daß die Lehrerin Song am Nachmittag des 14. Dezember 2021, im Rahmen der Lehrveranstaltung Nachrichteninterview, falsche Äußerungen tat, die einen schweren Lehrvorfall darstellen und beträchtliche negative gesellschaftliche Wirkungen hervorgerufen haben. Gemäß den Verfahren des Shanghai Zhendan Vocational College zur Feststellung und Behandlung von Lehrvorfällen und den Vorläufigen Bestimmungen über Disziplinarmaßnahmen für Lehrkräfte und Personal wird Frau Song hiermit aus dem Dienst entlassen.«

Die Hochschule erklärt darüber hinaus: »Wir messen der sittlichen Haltung und dem Stilanstand des Lehrkörpers größte Bedeutung bei. Wir nehmen diesen Vorfall zum Anlaß, die Verwaltung der Lehre, die politische Disziplin im Hörsaal und die Verhaltensgrundsätze noch entschlossener durchzusetzen. Gegen jede Verletzung der Vorschriften halten wir an einer Haltung der ›Null-Toleranz‹ fest; sobald ein Verstoß bestätigt ist, wird er ohne Nachsicht geahndet.«


Am Abend des 16. wandte sich der Reporter von Cover News an das »Iris-Chang-Studio«. Auf Songs falsche Äußerungen reagierte das Studio mit Befremden und Bedauern: »Am Nationalen Gedenktag, an einem Tag, an dem ganz China den Toten des Massakers von Nanking gedenkt, hat die Lehrerin Song es gewagt, im Hörsaal die Zahl der Opfer des Massakers anzuzweifeln und sogar zu sagen, ›diejenigen, die ohne Namen, ohne Stand gefallen sind, zählen nicht‹. Damit hat sie, in unverkennbarer Weise, eine grundlose Verteidigung der Verbrechen des japanischen Militarismus geliefert.«


Wie das Studio mitteilt, fuhr Iris Chang im Januar 1995 zur Library of Congress und zur Bibliothek der Yale Divinity School, um Quellen für ihr Buch Die Vergewaltigung von Nanjing — Das vergessene Massaker zu sammeln. Im Juli desselben Jahres ging sie allein nach Nanking, um die Überlebenden persönlich zu befragen. »Was Iris Chang während des Schreibens am tiefsten quälte, war es, Fall um Fall die Aufzeichnungen darüber zu lesen, was die japanische Armee den chinesischen Zivilisten angetan hatte.«

In den Jahren 1937 und 1938 hat das japanische Militär in Nanking unzählige Unschuldige mit Mitteln getötet, gefoltert und geschändet, die das Wort kaum zu fassen vermag. Iris Chang hat Hunderte solcher Fälle vor Augen gehabt. »Sie las oft bis tief in die Nacht, als kehrte sie auf die Stätte des Mordens selbst zurück. Die erstickende Schwere all dessen wollte nicht von ihr abfallen. Manchmal mußte sie sich vom Schreibtisch erheben, um tief Atem zu schöpfen — und doch verließen die grausamen Bilder ihren Kopf nicht. Einmal fragte ihre Mutter sie: ›Wirst du fortfahren?‹ Sie antwortete: ›Was ich jetzt erleide, kann mit dem, was sie gelitten haben, nicht verglichen werden. Ich will jene retten, die im Dunkeln vergessen worden sind. Ich will sprechen für jene, die nicht mehr sprechen können.‹«


Iris Chang

Iris Changs Mutter, Ying-Ying Chang, sagte: »Die Vergewaltigung von Nanjing ist eine Botschaft an die ganze Welt: Wir müssen mit allen Kräften die Wahrheit der Geschichte ans Licht bringen, die Gerechtigkeit aufrechterhalten, die Wahrheit verteidigen.« Das Studio teilte dem Reporter weiter mit: »Wir haben in jüngster Zeit auf den sozialen Netzwerken gesehen, wie ein taiwanischer Blogger eine Erhebung zum Nationalen Gedenktag durchführte. Er fragte junge Menschen in Taiwan, ob sie wüßten, was am 13. Dezember 1937 geschehen sei und ob sie meinten, daß Japan sich entschuldigen müsse. Das Ergebnis dieser Umfrage war zutiefst enttäuschend.«

Das Iris-Chang-Studio fügte hinzu: »Aus diesen beiden Vorfällen ergibt sich, daß die richtige geschichtliche Bildung der heranwachsenden Generation von höchster Wichtigkeit ist. Wie die jungen Chinesen zu einer richtigen Sicht der Geschichte zu führen sind; wie die japanische Regierung zu einer aufrichtigen Entschuldigung zu bewegen ist — das ist eine Aufgabe, die unsere ganze Gesellschaft, jetzt und auf lange Sicht, gemeinsam zu schultern hat. Wir müssen es uns einprägen: vergiß die Geschichte nicht — denn das Vergessen ist ein zweites Massaker. Was die Lehrerin Song betrifft, so muß die Hochschule sie nicht nur ernsthaft sanktionieren, sondern sie auch geschichtlich bilden. Das Iris-Chang-Studio verschenkt monatlich Bücher Iris Changs an die Öffentlichkeit; wir wären auch gern bereit, dieser Lehrerin ein Exemplar von Die Vergewaltigung von Nanjing zu schenken.«

  • Redakteurin: Xie Tingting