Das Tanztheater In der Tiefe der Erinnerung nimmt zum Hauptfaden Iris Changs Erforschung des „Massakers von Nanking” von 1937 und legt als sein Thema die Erinnerungen jener an, die das Geschehene durchlebt haben. Aus Schlüsselwörtern — Mord, Zeugenschaft, Reue, Leugnung — sind Kapitel aufgebaut, die für sich allein bestehen und einander zugleich bezeugen. Aus den verschiedensten Blickwinkeln weisen sie auf eine einzige Wahrheit und stellen das geschichtliche Ereignis wieder vor das Auge. Die Choreographie greift mit einer geraden, kraftvollen Tanzsprache die Punkte des heftigsten Gefühlsausbruchs der Figuren und die Stellen seelischer Spannung; sie drückt die Wandlungen der Empfindung und des Innern in vielen Schichten aus und stößt — mit erschütternder Kraft — in den Teil der Erinnerung vor, der nicht zu vergessen ist.
Vor dem Hintergrund der auf das Internationale gestellten Bühne wirkt das ganze Stück fast wie eine Bühnen-Dokumentation. Der bekannte Dramatiker und Vizevorsitzende der chinesischen Theatergesellschaft, Luo Huai, hat angemerkt: „In der Tiefe der Erinnerung ist ein Werk großen Zuschnitts, das hinausgehen kann in die Welt.” Das Stück ist von Tong Ruirui geschrieben und inszeniert worden; aufgeführt wird es vom Tanztheater-Ensemble des Jiangsu Performing Arts Group; Tang Shiyi und Li Yiran spielen Iris Chang. Mit Iris Chang, John Rabe, Minnie Vautrin, Li Xiuying und Higashi Shirō als historischen Hauptfiguren führt das Stück durch Iris’ Blickwinkel die Erinnerungen derer herauf, die das Massaker von Nanking durchlebt haben — um, durch dieses Werk, das Leid und die Wunde eines Volkes zu beklagen, das Gedächtnis der Geschichte aufzuwecken und die Bedeutung des Friedens weiterzugeben.