1998 — die Oberfläche der Diplomatie und die Tiefe der Geschichte

Im Jahr 1998 stattete Staatspräsident Jiang Zemin Japan einen Staatsbesuch ab. An der Oberfläche ging es um diplomatisches Protokoll, um regionale Stabilität, um die Wiederaufnahme der bilateralen Beziehungen. Tiefer aber rührte dieser Besuch an die Frage, an der die moderne Geschichte Ostasiens niemals hat vorübergehen können: wie ist die Erinnerung an den Krieg anzuerkennen, wie ist die Verantwortung eines Staates in Worte zu fassen, und wo soll die Würde der Opfer ihren Ort finden?

Die „tiefe Reue” Botschafter Saitos

In diesem seltenen Gespräch betont der japanische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Kunihiko Saito, dass die japanische Regierung in unterschiedlichen Formen ihre „tiefe Reue” und ihr „Bedauern” zum Ausdruck gebracht habe, und dass zwischen einer mündlich vorgebrachten Entschuldigung und einer schriftlich niedergelegten Erklärung im Wesen kein Unterschied bestehe. Darauf antwortet Iris Chang, die Verfasserin von Die Vergewaltigung von Nanjing: Der vergessene Holocaust des Zweiten Weltkriegs, in einer ruhigen, beherrschten und doch durchdringend scharfen Weise.

Das Gewicht eines Wortes — Iris Changs Frage

Was Iris Chang in Frage stellt, ist nicht allein die Wahl der Worte in einem diplomatischen Dokument, sondern die Aufrichtigkeit, die Grenze und die Verantwortung eines Staates, wenn er der eigenen Geschichte gegenübertritt. Für die Überlebenden des Massakers von Nanjing, für die Opfer des Krieges, und für die Nachkommen, die ihnen folgen, ist das Wort „Entschuldigung” keine technische Anordnung diplomatischer Sprache; es ist eine moralische Anerkennung, die durch nichts ersetzt werden kann — sie bedeutet, dass die Gräueltat nicht abgemildert wird, dass die Verantwortung nicht verdünnt wird, dass die Erinnerung nicht in mehrdeutiger Rhetorik abgelegt wird.

Dass dieses Gespräch noch heute Gewicht trägt, liegt darin, dass es eine seit langem bestehende Wirklichkeit innerhalb des ostasiatischen Versöhnungsprozesses offenlegt: eine Geschichte, die nicht in aller Klarheit anerkannt worden ist, verwandelt sich am Ende in einen Vertrauenspreis, den Generation um Generation zu tragen hat; eine Freundschaft, der das deutliche Bewusstsein der Verantwortung fehlt, vermag das Gedächtnis der Opfer und ihrer Nachkommen nicht wirklich zu durchqueren.

Zurückhaltung kann die Anerkennung nicht ersetzen

Die Frage, die Iris Chang in der Sendung stellt, ist nicht heftig — und doch ist sie scharf genug: wenn das Bedauern aufrichtig ist, weshalb fällt es noch immer so schwer, das Wort „Entschuldigung” mit der ihm zukommenden Würde niederzuschreiben?

Dies ist nicht allein ein Fernsehgespräch über die chinesisch-japanischen Beziehungen, sondern eine öffentliche Prüfung der Sprache, der Verantwortung und der Würde der Geschichte. Es erinnert uns daran, dass die Zukunft zwischen den Nationen nicht allein durch Handel, durch Investition und durch strategisches Interesse geformt wird, sondern auch dadurch, wie sie der Vergangenheit entgegentreten, wie sie die Wahrheit benennen, und wie sie jenen antworten, die einst von der Geschichte zermalmt wurden, und deren Stimme bis heute nicht in vollem Maße gehört worden ist.

Geschichte schwindet nicht durch Zurückhaltung; Wunden schließen sich nicht von selbst mit dem Lauf der Zeit. Wirkliche Versöhnung beginnt in der Aufrichtigkeit; wirkliche Würde entsteht aus einer Anerkennung, die deutlich ist, und die nicht ausweicht.